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Die Sozialen Manufakturen aus Gröpelingen produzieren an unterschiedlichen Orten im Stadtteil. Doch Online und auf Stadtteil-Festen vertreiben sie „ihre Produkte“ gemeinsam. Ein Besuch bei den Beschäftgigten in den Manufakturen für das deutschlandweit erste soziale Amazon aus Gröpelingen.

Soziale Manufakturen: Gartengrills, Konfitüre und Gärtnerbeete aus Gröpelingen. Online, lokal und nachhaltig.

Michael Werry, Tracy Otoo und Annette Gödecke arbeiten in verschiedenen Manufakturen in Gröpelingen. Doch ihre Arbeitgeber machen gemeinsame Sache und vertreiben ihre Produkte über den im Onlineshop Soziale Manufakturen.  Die ungewöhnliche Idee vereint ein buntes Produktsortiment von Feinkost bis zum Gartengrill und eine bundesweit einzigartige Kooperation.

Ein robuster Stahlgrill, Pink-Grapefruit-Marmelade oder ein Stadtgärtner-Beet haben auf den ersten Blick nichts miteinander gemein. Doch diese unterschiedlichen Produkte aus dem Bremer Westen vereint sehr viel. Sie stammen alle aus Gröpelingen und sind handwerklich hergestellt. Die beteiligten Manufakturen bieten sinnvolle Beschäftigung für Menschen, die sonst keine Arbeit hätten. Seit letztem Sommer wird unter der Dachmarke Soziale Manufakturen gemeinsame Sache gemacht: Die Gesellschaft für integrative Beschäftigung (GiB), bekannter als die „Gemüsewerft“, die Werkstatt Bremen /Martinshof und die Justizvollzugsanstalt Oslebshausen vermarkten ihre Produkte gemeinsam auf Stadtteilfesten und über den Onlineshop der Sozialen Manufakturen.

Werfküchen-Konfitüre wie von Muttern gekocht

Gegenüber der Waterfront kocht Tracy Otoo gemeinsam mit ihren Kollegen in der Martinshof- Werkstatt Schiffbauerweg Konfitüre ein. Die Konfitürenmanufaktur verfügt über alle Maschinen, die eine Großraumküche braucht. XL-Edelstahltöpfe, große Arbeitsflächen, ein Geschirrspüler und große Mixer und Schüsseln dürfen nicht fehlen. Doch das Obst und Gemüse für Konfitüre und Chutneys landet nicht maschinell im Glas. Tracy und ihre Kollegen schälen und filetieren eigenhändig die Grapefruits für die Pink-Grapefruit-Konfitüre der Hausmarke „Werftküche“. Ins Glas darf nur das Fruchtfleisch. „

„Wir wiegen von Hand ab, kochen die Zutaten ein, füllen die Gläser, während ein anderer den Deckel oben drauf macht. Deshalb schmeckt unsere Konfitüre wie zuhause selbst gemacht“, erklärt Tracy.

Die Werftküchen-Zutaten stammen überwiegend aus biologischem Anbau und kommen aus der Region. Die fertige duftende Konfitüre wird per Hand in Gläser abgefüllt und etikettiert. Nebenan wird der Verkaufsschlager „Bremer Werftküche Chili-Zitronen Öl“ produziert. Das Öl wird kaltgepresst. Bio-Chilis und Bio-Zitronen geben ihm die scharfe, frische Note, bevor es in die Flaschen abgefüllt wird.

In der Werftküche bei Tracy duftet es nach Früchten und Gewürzen

Chutneys: Randvoll mit frisch geschnippelten Gewürzen und Gemüse

Auch Michael Werry steht in einer Großküche am Schneidebrett bereit. Und zwar dann, wenn im gefängniseigenen Bistro die Knasteria-Chutneys eingekocht werden. Michael und seine Kollegen produzieren unter Küchenchef Detlev Jendrich die begehrten Chutney-Saucen aus dem Knast. „Gerade habe ich noch die ganzen Zutaten zusammengestellt, alles abgewogen, die Zwiebeln und den Ingwer geschnitten. Je nach Rezept bereite ich immer alles so vor, dass der Chef nur noch die Pfanne anschmeißen muss und wir anfangen können zu kochen“, erzählt Michael.

Andere Mithäftlinge schweißen in der Schlosserei derweil Stahlgrills zusammen oder nähen die Taschen für die JVA-HausmarkeKnastwerk No. 1“. Der Ton in der Knasteria-Küche ist manchmal rauer. Da werden Sprüche Sprüche geklopft, wie sie in vielen Gastroküchen üblich sind. Der Chef wisse schon, was wer abkönne.

Die Rezeptur stammt aus der Kochshow „Kochen hinter Gittern“ mit TV-Koch Steffen Henssler. Im Fernsehbeitrag hat Michael nicht mitgewirkt. Doch er hatte Lust auf den Job im Bistro und sich extra bei seinem strengen Küchenchef beworben. Er mag es, gleich morgens in der Küche und im Bistro an der Kasse zu stehen.

„Mein Job ist eine psychische Entlastung von der Haft. Die Beamten der JVA haben da draußen ja auch noch ein Leben. Während sie hier essen bringen sie ganz normale, alltägliche Themen mit rein, die nichts mit der JVA zu tun haben“, erzählt Michael über das Plus an seiner Arbeit.

Einkochen mit Mannschaft in der Knasteria-Küche und Schweißen im Knastwerk No. 1

Gemüsewerft-Rezept: Selbst gepflanzt und geerntet

Auch Annette Gödecke begeistert sich für Essen und Gastronomie. Sie arbeitet für die GiB / Gemüsewerft im hauseigenen Café Brand im Atelierhaus Roter Hahn. Im Cafè Brand werden vorwiegend selbst von der Gemüsewerft erzeugte Produkte verarbeitet. Annette weiß wie ihre Kollegen gärtnern und die Hochbeete aus Holz zusammenbauen. Sie selbst sucht lieber den Kontakt mit der Café-Kundschaft. Kein Wunder, dass sie noch eine weitere Chance auf viel Kundenkontakt genutzt hat, die sich durch die Zusammenarbeit der Sozialen Manufakturen ergeben hat. Sie hat bei der Verkaufsschulung unter der Federführung von Gröpelingen Marketing mitgemacht.

Die Gröpelinger Manufakturen zeigen Bremen "ihre Produkte" in Hochbeeten von der Gemüsewerft

Gemeinsames Verkaufsgespür für Manufaktur-Produkte

Bei Dozentin Bettina Siebert-Kossmann und Projektkoordination Svenja Weber haben die Beschäftigten einiges erlebt: Auf dem Stundenplan standen Werksexkursionen, Kassensystemschulungen und natürlich die hohe Kunst des Verkaufsgesprächs. Annette fand ihre Weiterbildung spitze: „Verschiedene Verkaufstechniken und Warenpräsentationsmöglichkeiten zu lernen war spannend.“

Die Kursteilnehmer haben „ihre Produkte“ gemeinsam auf Stadtteilfesten verkauft.

„Am Stand konnten unsere Kunden nicht sehen, ob sie von Häftlingen, Menschen mit einer Behinderung oder Psychiatrieerfahrung bedient werden. Unser Verkaufs-Team konnte die Begeisterung der Bremer für unsere Produkte jedenfalls direkt erleben. Die Wertschätzung hat auch den Produktstolz und das Selbstbewusstsein der Gruppe gestärkt“, erzählt Projektkoordinatorin Svenja Weber.

Das Gemeinschaftsprojekt Soziale Manufakturen soll die Arbeitsmarktchancen der Beschäftigten stärken. Wenn die Zusammenarbeit weiterhin vom Europäischen Sozialfond und dem Bremer Landesprogramm „LOS – Lokales Kapital für soziale Zwecke“ gefördert wird, können Tracy, Michael und Annette sich demnächst für eine weitere Schulung bewerben. Sie dreht sich um den Schwerpunkt „eCommerce“.

Stahlgrills, Konfitüre, Chutneys und Öl - mit Köpfchen produziert und vermarktet

Der gemeinsame Onlineshop kann qualifizierte Kräfte brauchen. Auch über ein gemeinsames Versandlager oder Gemüsedirektbezug denken die Gröpelinger Manufakturen nach.

„Eine Art deutschlandweit neues soziales Amazon haben wir schon hier in Gröpelingen gegründet“, sagt Stadtteilmanager Lars Gerhardt über den gemeinsamen Onlinevertrieb der sozial und nachhaltig produzierten Produkte aus Gröpelingen

Aktuell sind mehr als 30 verschiedene Produkte im Shop erhältlich. Für Stadtteilmanager Lars Gerhardt helfen die Kunden auch Gröpelingen: „Jeder Einkauf bei den Sozialen Manufakturen fördert eine gute Idee und mehr Arbeit in unseren Manufakturen.“

Über das Soziale Manufakturen - Projekt

Bei dem Projekt Soziale Manufakturen vertreiben drei Gröpelinger Träger gemeinsam ihre Produkte. Die Kooperation unter der Schirmherrschaft von Gröpelingen Marketing ist deutschlandweit einzigartig. In der Regel richten sich integrative Beschäftigungsangebote ausschließlich an eine Zielgruppe. Die Sozialgesetzgebung richtet sich gewissermaßen nach Schubladen. So arbeiten Justizvollzugsanstalten beispielweise nach Kriterien und Gesetzen im Strafvollzugsgesetz. Träger wie der Martinshof/Werkstatt Bremen nach dem Gesetzbuch für Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Im Soziale Manufakturen-Projekt arbeiten die beteiligten Träger-Manufakturen zusammen und bieten Arbeit jenseits des üblichen Schubladendenkens. Die Zielgruppen-Logik spielt keine Rolle. Alle Infos über das Projekt unter Soziale Manufakturen. Hier verraten Michael und Tracy ihre Küchenkniffe und persönliche Erlebnisse aus ihrem Joballtag. Weitere Interviews und Infotexte erklären, wie die Gröpelinger Manufakturen arbeiten.

SOZIALE MANUFAKTUREN – Ein CHARAKTER.STÜCK

Wir finden, dass die SOZIALEN MANUFAKTUREN definitiv echte Bremer CHARAKTER.STÜCKe sind und deshalb findest du alle Infos, wie zum Beispiel ONLINE-SHOP und Anschrift natürlich auch in unserem Produkte-Verzeichnis!

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